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JÜDISCHE FILMWOCHE WIEN 2004
ZUM GELEIT
Nach einer zweijährigen Pause wird die Jüdische Filmwoche Wien heuer im Votivkino und im De France Kino stattfinden. Dank der Unterstützung durch die Constantin Film können wir die Eröffnung am 18. November im Urania Kino feiern.
Wie in den letzten Jahren wollen wir auch heuer wieder verschiedene Themenschwerpunkte präsentieren. Da uns die Medien zum Thema Israel/Palästina meist mit undifferenzierten Bildern und Informationen täglich bestürmen, scheint es uns wichtig, Filme über die Wurzeln des Konfliktes zu zeigen. Einer unserer Gäste, der israelische Regisseur Benny Brunner, wird dazu die Dokumentarfilme It Is No Dream, Al-Nakba: The Palestinian Catastrophe 1948 und The Wall präsentieren. In It Is No Dream stellt sich eine Gruppe israelischer Intellektueller die Frage, was aus Theodor Herzls Vision geworden ist. Al-Nakba setzt sich mit einer tragischen Seite der Staatsgründung Israels auseinander: der Vertreibung von 750.000 PalästinenserInnen. The Wall zeigt eindringlich, wie stark das Leben palästinensischer Familien durch die Mauer, die von Israel gebaut wird, beeinflusst ist. Dr. John Bunzl wird die Vorführung von Arnas Children einleiten. Dieser Film porträtiert Arna Mer Khamis, eine tapfere Jüdin, die sich um palästinensische Jugendliche in Jenin kümmerte. Anhand von Lebensgeschichten behandelt der Film aber auch die Frage, warum Menschen zu Selbstmordattentätern werden. Between The Lines beschreibt das Leben der jüdisch-israelischen Haaretz-Journalistin Amira Hass, die seit 1998 aus Ramallah berichtet. Uri Avnery, einer der großen Männer der israelischen Friedensbewegung, wird in Uri Avnery: Warrior For Peace dargestellt. Die beiden Regisseure des Films Route 181 - der Palästinenser Michel Khleifi und der Israeli Eyal Sivan - zeigen ihre Reise entlang der Straße, die 1947 das israelische vom palästinensischen Gebiet trennte. Frank Stern, Gastprofessor am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien, wird die böse Satire Made in Israel einführen. Der israelische Regisseur David Ofek wird seinen Dokumentarfilm No. 17 präsentieren. Darin begibt er sich auf die Suche nach einem unbekannten Toten, der bei einem Bombenattentat ums Leben kam. Sleeping With The Enemy zeigt ein Friedenscamp mit PalästinenserInnen und Israelis, das 2000 in Japan organisiert wurde. Drei Jahre später treffen sich in Behind Enemy Lines zwei Teilnehmer des Camps, der palästinensische Journalist Adnan Joulani und der israelische Polizist Benny Hernes, wieder. In Wailing Walls vergleichen die israelischen Regisseure Tor Ben Mayor und Yehuda Litani die Situation in ihrer Heimat mit der politischen Lage in Nordirland. Im Experimentalfilmprogramm Zoom In-Zoom Out reflektieren israelische KünstlerInnen ihre Sicht der Situation in Israel/Palästina.
Regisseur Joseph Rochlitz berichtet in The Righteous Enemy über die Rettung von 40.000 Jüdinnen und Juden durch italienische Soldaten und Diplomaten. In True Child Of Vienna begleitet er seinen Vater und dessen Bruder bei einer Reise nach Wien. Die beiden waren Teenager, als sie 1938 aus der Stadt fliehen mussten.
Zum 100. Geburtstag des polnisch-jüdischen Schriftstellers Isaac Bashevis Singer zeigen wir den Zeichentrickfilm Die Schelme von Schelm, Barbra Streisands Yentl und Paul Mazurskys Enemies: A Love Story. Dank einer Einladung des Polnischen Instituts Wien wird Regisseur Adam Kinaszweski während der Vorführung seines Dokumentarfilmes Warsaw: Landscape with Singer über das Leben von Isaac Bashevis Singer anwesend sein.
In einem Österreich-Schwerpunkt stellen österreichische Filmschaffende ihre Produktionen vor. Hubert Canavals Dokumentarfilm In der Fremde zu Haus erzählt vom Leben dreier ÖsterreicherInnen, die auf der Flucht vor dem Nationalsozialismus in Mexiko eine neue Heimat fanden. Walter Wehmeyer beobachtet in Naher Osten Hoffnung und Trauma der Jugend die Begegnungen von arabischen und jüdischen Jugendlichen in einem Friedenscamp in Kärnten. Chaltura - Leila und Lena von Michael Pfeifenberger zeigt die Lebenswege der Beduinin Leila und der Russin Lena. In Christian Mehofers Spielfilm Die dritte Minute begegnen zwei Hitlerjungen einer in einem Keller versteckten Jüdin am Ende des Krieges. Simone Bader und Jo Schmeiser (Klub Zwei) zeigen in Things.Places.Years, wie Vertreibung, Emigration und Holocaust das Leben von zwölf in London wohnenden Frauen durch drei Generationen prägen.
In Erinnerung an das polnisch-jüdische Komikerpaar Szymon Dzigan und Jisroel Szumacher werden drei Filme in jiddischer Sprache gezeigt. Die Komödie Freiliche Kapzonim (Fröhlicher Bettler/Jolly Paupers, 1937) und On a Heym (Ohne ein Zuhause/Without a Home, 1939), den letzten jiddischen Film, der in Polen vor dem Zweiten Weltkrieg gedreht wurde. 1948 spielten Dzigan und Szumacher in Unzere Kinder (Our Children) mit.
Weiters zeigen wir auch heuer wieder eine Reihe von neuen internationalen Spielfilmen. Abjad (The First Letter) schildert in wunderbar poetischen Bildern das Leben eines 16-jährigen Buben im Iran knapp vor der Islamischen Revolution 1979. All Ive Got behandelt einfühlsam, aber auch humorvoll, die Frage nach Liebe, Leben und Tod. Constantin Costra-Gavras Meisterwerk Der Stellvertreter zeigt, basierend auf Rolf Hochhuths gleichnamigem Theaterstück, Verflechtungen zwischen dem Vatikan und dem Nazi-Regime. Der niederländische Regisseur Ben Sombogaart (angefragt) wird seinen 2004 für den Oskar nominierten Film Die Zwillinge, eine berührende Frauengeschichte, präsentieren. Léa Pool schildert in Emporte-Moi einfühlsam die schwierige familiäre und persönliche Situation eines jungen Mädchens im Montreal der 60er Jahre. Die charmante Komödie Samy y yo beweist, dass es auch in Buenos Aires jüdische Stadtneurotiker geben kann. The Postwoman stellt uns Luna vor, die auf der Suche nach der großen Liebe ist. Voyages verflechtet die Lebensgeschichten dreier älterer Frauen ineinander. In Wir müssen zusammenhalten versteckt ein tschechisches Ehepaar einen jüdischen Bekannten während des Zweiten Weltkriegs. In Wondrous Oblivion hat der elfjährige Jude David im London der 60er Jahre nur einen Traum: im Cricket-Schulteam mit zu spielen.
Weiters präsentieren wir auch neuere Dokumentarfilme. Nurit Kedars Asesino behandelt die Geschichte jener rund 30.000 ArgentinierInnen, die während der Militärdiktatur von 1976 bis 1983 "verschwanden". Einige jüdische Familien baten die israelische Botschaft um Unterstützung bei der Suche nach ihren vermissten Angehörigen. Da Israel damals gute Waffengeschäfte mit Argentinien machte, wurde ihnen die Hilfe verwehrt. In Born in Buenos Aires gibt Regisseurin Beth Toni Kruvant Einblicke in die schwierige politische und wirtschaftliche Situation der argentinischen Bevölkerung. Die russische Produktion Dziga And His Brothers schildert Leben und Werk der drei Kaufmanbrüder: Boris war ein geschätzter Kameramann (z.B. LAtalante und On the Water Front/Die Faust im Nacken), Michail war Kameramann und Regisseur, Denis wurde unter dem Pseudonym Dziga Vertov bekannt. Dziga And His Brothers wird mit drei Kurzfilmen eingeleitet, die jüdisches Leben in Bialystok (der Heimatstadt der Brüder Kaufman), Krakau und Lemberg zeigen. Flucht in den Dschungel schildert die Geschichte eines brasilianischen Ortes, wo in den 30er Jahren deutschen EmigrantInnen vor den Nazis Zuflucht fanden. In Make Me A Match werden sowohl professionelle Heiratsvermittler, als auch deren Klienten auf der Suche nach Eheglück begeleitet. In einem alten Cadillac begibt sich Brian Bain, der Regisseur von Shalom YAll, auf die Spuren jüdischen Lebens in den Südstaaten der USA.
Damit aber auch der Humor nicht zu kurz kommt, zeigen wir die schräge "Jewxploitation" Komödie The Hebrew Hammer, in der ein New Yorker Privatdetektiv - sozusagen die "jüdische Antwort" auf Shaft und Mike Hammer - einen äußerst schwierigen Fall zu lösen hat. Die sehr schwarze Komödie Mrs. Meitlemeihr stellt sich die Frage: Was wäre gewesen, wenn Adolf Hitler den Zweiten Weltkrieg überlebt hätte und, als Frau verkleidet, in London untergetaucht wäre? In ihrem dreiteiligen Programm Hitler - The Horror And The Horrah präsentiert die junge israelische Künstlerin Tamy Ben Tor ungewohnte Zugänge zum Thema Adolf Hitler. In ihrem Film Kinky Friedman - Proud To Be An Asshole From El Paso interviewt Regisseurin Simone de Vries deklarierte Fans des jüdischen Countrysängers Richard "Kinky" Friedman, darunter Willie Nelson und Bill Clinton. Im kanadischen Dokumentarfilm Schmelvis: Searching For The Kings Jewish Roots machen sich ein Filmteam, ein Rabbiner und ein jüdisch-orthodoxen Elvis-Imitator mit dem Künstlernamen Schmelvis, auf die Suche nach den jüdischen Wurzeln von Elvis Presley. Falls Sie die Antwort dazu erfahren wollen: sie finden sie im Kino.
Monika & Frédéric-Gérard Kaczek und Team |
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