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In eigener Sache
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2004
Seit dem Beginn der Jüdischen Filmwoche (1991) zeigen wir
Filme mit jüdischer Thematik. Unsere Veranstaltung im letzten
Jahr wurde von einigen Mitgliedern der Israelitischen Kultusgemeinde
kritisiert: Die Vorwürfe reichten von Telefonaten und
Gesprächen mit persönlichen Beleidigungen, unwahren Unterstellungen
und Veröffentlichungen, wie zum Beispiel in „Die Gemeinde“,
dem Offiziellen Organ der Israelitischen Kultusgemeinde
Wien. Dort wurde behauptet, dass wir uns das Vertrauen von jüdischen
bzw. israelischen Institutionen erschlichen hätten und „palästinensische Propagandafilme“ gezeigt hätten. Zu diesen
Aussagen möchten wir folgendes festhalten: Wir haben unseren
Katalog von 2004 unter anderem allen LeserInnen der Zeitschrift
„Die Gemeinde“, sowie einem Kreis von Menschen, die an den
Aktivitäten des Jüdischen Museums Wien und des Jüdischen
Institutes für Erwachsenenbildung interessiert sind, kostenlos zur
Verfügung gestellt. Im Jahre 2004 erhielten wir von den drei oben
genannten Institutionen lediglich Adressen, sonst aber keine
finanzielle oder andere Zuwendung! Die Kosten des Etikettierens
und des Postversandes wurden zur Gänze aus dem Budget der
Filmwoche bestritten. Unterstützung erhielten wir jedoch von der
Botschaft des Staates Israel, die unser Programm in keiner Weise
negativ kritisiert hat. Die Behauptung, dass jüdische und israelische
Institutionen für unsere Zwecke instrumentalisiert hätten, ist
somit unzutreffend und völlig haltlos.
Die Meldung, dass wir „palästinensische Propagandafilme“
gezeigt hätten, entbehrt jeglicher Grundlage. Jede/jeder, die/der
sich mit unserem Programm näher auseinandergesetzt hat, wird
bemerkt haben, dass wir Filme, die der umfassenden Wahrnehmung
der Geschichte und der gegenwärtigen Situation in Israel
und Palästina dienen, ausgewählt haben. Unsere Programmierungsrichtlinien
gleichen auch der universellen Geisteshaltung der
GestalterInnen vieler Festivals, wie Jerusalem Film Festival, Haifa
International Film Festival, Köln International Film Festival,
Münchner Dokumentarfilm Festival, San Francisco Jewish Film
Festival, Toronto Jewish Film Festival, etc., die z.B. auch die von
unseren Kritikern disqualifizierten Produktionen programmiert
hatten. Wie die Mehrheit der Festivalveranstalter, wollen auch wir
Inhalte vermitteln, um ein mündiges Publikum umfassend zu
informieren bzw. zur Diskussion anzuregen. Dies ist auch eine der
Motivationen von Fernsehsendern wie WDR oder ARTE, oder von
Cinematheken, wie denen von Haifa, Jerusalem oder Tel Aviv, die
diese so genannten „Propagandafilme“ entweder ko-produziert
oder in ihr Programm aufgenommen haben. Es wurde auch
behauptet, dass wir „mit keinem Wort“ auf das Leid von jüdischen
und nichtjüdischen Bombenopfern in Israel eingegangen wären. In
unserem Programm wurden sehr wohl Filme gezeigt, die sich mit
der Tragik der Opfer und ihrer Familien auseinandersetzen.
2005
Auch heuer halten wir weiter an unseren demokratischen und an
der aktuellen Filmproduktion orientierten Grundsätzen fest und
hoffen, dass uns, so wie im vergangenen Jahr, die überwältigende
Mehrzahl der Reaktionen unserer BesucherInnen in diesem Punkt
Recht geben werden. Dass die Jüdische Filmwoche 2005 unabhängig
vom Jüdischen Museum der Stadt Wien und der Israelitischen
Kultusgemeinde Wien veranstaltet wird, versteht sich von
selbst. Alle heuer gezeigten Filme wurden von uns, den Verantwortlichen
der Jüdischen Filmwoche, ausgewählt und müssen
nicht die Meinung der im Katalog genannten Personen, Firmen
und Körperschaften widerspiegeln. Wieder mussten wir uns auch
heuer anhören, dass wir „die Filmwoche 2004 zu einseitig programmiert“
hatten. Dazu sei gesagt: wir hatten uns entschlossen,
unseren Grundsätzen folgend, verschiedene Themen zu präsentieren
und deshalb wurde zu jedem Schwerpunkt eine Reihe von Filmen
gezeigt. Zu Bemerkungen, dass wir auch Filme über die triste
Situation der PalästinenserInnen in arabischen Staaten zeigen
sollten, sei soviel gesagt: Als Jüdische Filmwoche zeigen wir unter
anderem Filme über die gegenwärtige Situation in Israel und in
Palästina, die die zeitgenössische Geschichte des Judentums
schreibt. Die Situation von PalästinenerInnen in arabischen Staaten
zu zeigen fiele in das Aufgabengebiet einer Palästinensischen
Filmwoche.
Am 19. Februar 2005 erhielt der Spielfilm Al-Jenna Al-an / Paradise
Now (Regie: Hany Abu-Assad) im Rahmen der 55. Berlinale
den Amnesty International Filmpreis. Die Begründung der Jury für
diese Auszeichnung lautete: „Ein Film, der zum Nachdenken
zwingt, ohne belehrend zu sein. Ein Plädoyer dafür, dass jeder Einzelne
einen Unterschied machen kann.“ (Aus einer Pressemitteilung
von Amnesty International Deutschland). Auch in deutschsprachigen
und internationalen Medien erhielt der Film anerkennende
bis hervorragende Besprechungen. Für Henryk M. Broder
ist er „nicht nur ein guter, sondern auch ein wichtiger Film. Kein
Film, der Terroristen als Mörder verherrlicht, sondern sie als junge
Männer zeigt, die sich und anderen letztlich ein Rätsel bleiben“.
(Der Spiegel, Nr. 39/26.09.05). Jacqueline Rose (Deadly Embrace,
London Review of Books. Vol. 26, November 4, 2004) stellt dazu
fest: „All suicides kill other people. However isolated the moment,
suicide is always an act of cruelty.“ Al-Jenna Al-an / Paradise Now
versucht, Hintergründe dieses Aktes zu beleuchten und Selbstmordattentate
werden weder beschönigt noch verherrlicht. Nach
der Sichtung dieses Filmes haben wir uns entschlossen, ihn im
Rahmen unserer Filmwoche zu zeigen – im Programmteil unseres
Kataloges wird der Film näher beschrieben. Wie schon im letzten
Jahr werden wir diesen Film und einige weitere Produktionen zum
Thema Naher Osten mit einer kompetenten Einleitung und/oder
Diskussionen begleiten.
Gerade, wenn man einen Staat schätzt und man froh ist, dass er
existiert, hat man auch das Recht, ja sogar die Verpflichtung,
Kritik an der Politik der betreffenden Regierung auszuüben.
An einen Grundsatz der religiösen israelischen Filmschule Ma’ale,
deren Filme auch im Rahmen der Filmwoche gezeigt werden,
wonach alle Lehrenden und StudentInnen dieser Ausbildungsstätte
durch „Zuhören, Beobachten und Toleranz“ (www.maale.co.il)
einen offenen Dialog pflegen, wollen auch wir uns weiter halten.
Monika und Frédéric-Gérard Kaczek
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