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„Jewish film is what happens when it encounters an audience“
(Barbara Kirshenblatt-Gimblett, April 2001, New York University)

Die 13. Jüdische Filmwoche Wien wird vom 3. bis zum 17. November im Votivkino und im De France Kino veranstaltet, zwei Filmvorführungen finden gesondert im Urania Kino statt. Unter den insgesamt 60 gezeigten Filmen (22 Spiel-, 17 Dokumentar und 21 Kurzfilme) befinden sich fünfzehn Österreich- und zwei Weltpremieren. Nach einem neuen BesucherInnenrekord im Vorjahr
mit 4600 ZuseherInnen wird auch dieses Jahr jüdisches Leben aus aller Welt in verschiedenen Themenschwerpunkten präsentiert.

Tribute to Amos Gitai

Erstmals in Österreich wird das Filmschaffen des israelischen Regisseurs Amos Gitai in einer größeren Werkschau dem österreichischen Publikum zugänglich gemacht. Gezeigt werden 3 seiner Spielfilme (Alilah / Alila, Ha-Arez Ha-Muwtachat / Promised Land und Free Zone/Free Zone) sowie 3 seiner Dokumentarfilme (Bait / House und Bait be-Jeruschalajim / A House in Jerusalem, Sirat Ha-Rezach / The Arena of Murder).
Eröffnet wird die jüdische Filmwoche mit Gitais jüngstem Film „Freezone“, für den Schauspielerin Hannah Laszlo 2005 in Cannes mit der goldenen Palme für die beste weibliche Hauptrolle ausgezeichnet wurde. Amos Gitai wird persönlich anwesend sein.

Retrospektive Konrad Wolf - Die jüdische Trilogie

In Zusammenarbeit mit dem Aufbau-Verlag Berlin werden in Erinnerung an den DDR-Regisseur Konrad Wolf (1925-1982), der heuer seinen achtzigsten Geburtstag gefeiert hätte, drei Filme aus seinem umfangreichen Schaffen präsentiert: Sterne / Zwezdy, Professor Mamlock und Ich war neunzehn. Letzterer ist stark autobiographisch geprägt, da Gregor Hecker, die Hauptfigur des Filmes, wie Konrad Wolf, als Kind mit seinen Eltern aus dem nationalsozialistischen Deutschland in die Sowjetunion geflohen ist und 1945 als
Soldat der Roten Armee nach Deutschland zurückkehrte. Wir freuen uns bereits sehr auf das Kommen von Jaecki Schwarz, dem Darsteller des Gregor Hecker. Ein Gespräch mit Helmut Pflügl vom
Filmarchiv Austria ist vorgesehen.

In memoriam Yitzhak Rabin

Anlässlich des 10.Todestages von Israels Premierminister Yitzak Rabin haben wir am 4. November Amos Gitai´s Dokumentarfilm Sirat Ha-Rezach / The Arena of Murder programmiert. Amos Gitai wird persönlich anwesend sein.

In memoriam Simon Wiesenthal

Zu Ehren von Simon Wiesenthal, welcher am 20.September 2005 im 96.Lebensjahr verstorben ist, zeigen wir den am 11. November 1989 unter dem Titel Recht – Nicht Rache im ORF gezeigten Spielfilm Murderers Among Us.

La petite prairie aux bouleaux / Birkenau und Rosenfeld

Die Regisseurin Marceline Loridan-Ivens wird uns, in Begleitung von
Darsteller August Diehl, ihren autobiographischen Spielfilm La petite prairie aux bouleaux / Birkenau und Rosenfeld vorstellen. Der erste und einzige Spielfilm, der am Original-Schauplatz eines Vernichtungslagers gedreht werden durfte.

Gedenktag 9. 11 . – Novemberprogrom 1938

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 kam es zum Novemberprogrom. Um die Schrecknisse jener Zeit vor dem Vergessen zu bewahren zeigen wir am 9.11. die Filme Professor Mamlock und The Greyzone. Professor Mamlock spielt im Jahre 1933, wo die Progrome des zweiten Weltkriegs ihren Anfang nahmen. The Grey Zone behandelt die Rolle der so genannten Sonderkommandos im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau und zeigt neben der Situation der Sonderkommandos in Vernichtungslagern wie Auschwitz-Birkenau das Scheitern eines Aufstandes der Internierten.

Aus dem Leben von Drusen und Beduinen

Mit Minderheiten der Israelischen Gesellschaft, beschäftigen sich die, von Frank Stern (Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien) kuratierten Filme Atash, Maktub und Asphalt zahow / Yellow Asphalt. In den drei ausgewählten neueren israelischen Spielfilmproduktionen wird mit starker visueller Kraft, unbeschönigt aber auch mit Poesie, das Leben von Drusen und Beduinen geschildert.

Zum Thema Naher Osten

Zum Thema Naher Osten präsentieren wir u.a. den Spielfilm Al-Jenna Al-an / Paradise Now, der während der Internationalen Filmfestspiele Berlin 2005
für den Goldenen Bären nominiert wurde und mit dem Amnesty- International-Filmpreis und dem „Blauer Engel“ für den besten europäischen Film ausgezeichnet wurde.

In Raziti lihijot gibor / On The Objection Front schildern sechs ehemalige
Soldaten der israelischen Armee ihre Beweggründe, warum sie den Militärdienst in den besetzten Gebieten verweigerten. (Eingeleitet wird der Film von John Bunzl – Institut für Politikwissenschaften/Universität Wien, Österreichisches Institut für Internationale Politik).

In Ha-Schachen schel Jeschu / Raging Dove macht sich ein israelisch-arabischer Boxer auf die Suche nach seiner Identität.

Der israelische Regisseur Dov Gil-Har (seine Filme Sleeping With
The Enemy / Vom Leben Mit Dem Freund und Behind Enemy Lines liefen bei der Jüdischen Filmwoche 2004) schildert in seinem Dokumentarfilm Asarah jamim b’aza / 10 Days in Gaza, beruhend auf dem Bild- und Tonmaterial von Channel 2 News (Israel), die Räumung der Siedlungsgebiete in Gaza im Rahmen des israelischen Abkoppelungsplans im Sommer 2005. Der Regisseur wird bei dieser Weltpremiere persönlich anwesend sein.

5 Israelische Filmschulen – 21 Kurzfilme

Als Neuigkeit in unserem Programm präsentieren wir heuer ausgewählte
Abschlussarbeiten von StudentInnen folgender israelischer Filmschulen: Beit Berl College, Ma’aleh School of Television, Film and the Arts; Tel Aviv University, Department of Film and Television; Tel Hai College und The Sam Spiegel Film and Television School.

Dziga Vertov 2004 in Israel?

Nach dem Motto seines Vorbilds Dziga Vertov (Chelovek s kino apparatom / Man With A Movie Camera) „It is far from simple to show the truth, yet the truth is simple.“, reiste der Regisseur Dan Geva (Think Popcorn) auf der Suche nach Wahrheit durch seine Heimat Israel. Seine Eindrücke fängt er mit seinen drei Kameras auf. In Anwesenheit des Regisseurs wird nach der Vorführung beider Filme ein Gespräch mit Thomas Ballhausen (Filmarchiv Austria) stattfinden.

Moments, Jerusalem 2005

In Mabatim, Jeruschalajim / Moments, Jerusalem 2005 schildern fünfzehn israelische FilmemacherInnen in jeweils 4 Minuten ihre unterschiedlichen
Impressionen der Stadt Jerusalem und ihrer Menschen. Als Gast wird der in Linz geborene Produzent Micha Shagrir anwesend sein und über seine laufenden und künftigen Projekte erzählen.

Thema Familie und Beziehung

Das Thema Familie und Beziehung wird in den Spielfilmen Avanim, Livet i 8 Bitar / Bit by Bit, Seres Querido /Only Human, Suzie Gold, Aba schachor lawan/ Under Water,und Schoschelet Schwarz / The Schwarz Dynasty behandelt.

Weitere internationale Spielfilme

In Ein ganz gewöhnlicher Jude beginnt der Journalist Emanuel Goldfarb (Ben Becker), ein, im Nachkriegsdeutschland geborener Jude, sich mit seiner persönlichen Vergangenheit auseinanderzusetzen.

Csoda Krakkóban/ A Miracle In Cracow ist das beachtliche Spielfilmdebut der jungen ungarischen Regisseurin Diana Groó, die ebenfalls als Gast anwesend sein wird.

Regi idök focija/ Football Of The Good Old Days ist eine liebenswerte
Komödie über Fußball und einen wahren Fan.

Spurensucher

Eine Reihe neuerer Dokumentarfilme begibt sich auf Spurensuche. L’Chayim, Comrade Stalin schildert eine Reise nach Birobidschan, der Hauptstadt des ehemaligen Jüdischen Autonomen Gebiets in Sibirien. Unter dem Titel Shalom Vienna werden Benjamin Audour und Daniel Krasa ihren jüngst fertig gestellten Film über jüdisches Leben in Wien vor und nach dem Zweiten Weltkrieg zeigen.
In Et nous, qui sommes-nous / And Then, Who are We? treffen Barbara
Schuch, eine Französin mit polnischen und jüdischen Wurzeln, und die Journalistin Sophie Sensier (beide Regisseurinnen sind als Gäste anwesend) Jüdinnen und Juden im Polen von heute.
Der junge Wiener Emil Rennert begibt sich in Eine verschwundene Welt auf die Spuren seiner rumänischen Großeltern. Auch in Lista Sendlerowej / Sendlerowa’s List machen sich vier junge Mädchen aus einem College in den USA auf die Suche: In Warschau treffen sie Irena Sendlerowa, die während des Zweiten Weltkriegs 2.500 jüdische Kinder aus dem Ghetto rettete.

In zwei Arbeiten werden insbesondere die Lebenswege von Künstlern nachgezeichnet. Thomas Frankl schildert in Vizie Z Inferna / Visionen aus dem Inferno Leben und Werk seines Vaters, dem Künstler Adolf Frankl.
In Ostalas’ Dusha Ego Zdes’ / Seine Seele ist geblieben wird an
Marc Chagalls Leben und Wirken in seiner weißrussischen Heimatstadt
Witebsk erinnert.

Daniel Ankers Dokumentarfilm Imaginery Witness begibt sich auf filmische Spurensuche. Er zeigt wie sich Hollywood seit den 40-er Jahren in zahlreichen
Produktionen mit dem Holocaust auseinandersetzt.

The Great Jiddish Love – a Fantasy?

In The Great Yiddish Love wurden von der in New York lebenden kanadischen Künstlerin Diane Nerwen einzelne Szenen aus Zarah Leander- und Marlene Dietrich-Filmen geschnitten und mit Dialogen aus jiddischen Filmen der 30er und 40er Jahre versehen. Das darauf folgende Fantasiah – Erez acheret / Fantasy – Another Country ist ein berührendes Porträt zweier Drag Queens in Tel Aviv. Beide – der eine ist Araber, der andere Jude – beweisen, dass Freundschaft und Respekt zwischen AraberInnen und Jüdinnen/ Juden nicht nur Fantasie sind.

Monika und Frédéric-Gérard Kaczek
(Änderungen vorbehalten)

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