Fokus Israel Palästina

ROUTE 181
FRAGMENTE EINER REISE IN PALÄSTINA-ISRAEL

Michel Khleifi & Eyal Sivan, F/B/D/GB 2003

So, 23.11., 15.00, De France

Produktion/Production Company Momento! Koproduzenten/Coproducers Sindibad Films Ltd., WDR, Sourat Films Sprl (in Zusammenarbeit mit ARTE France/in cooperation with ARTE France) ProduzentInnen/Producers Michel Khleifi, Eyal Sivan, Armelle Laborie Regie/Directors Michel Khleifi, Eyal Sivan Drehbuch/Script Michel Khleifi, Eyal Sivan Kamera/DoP Phillipe Bellaiche, Ton/Sound Richard Verthe Schnitt/Editor Michel Khleifi, Eyal Sivan

Dokumentarfilm, Farbe, Beta SP, 275 Minuten, arab./hebr. OF, dt. UT

Der Film wird in drei Teilen gezeigt (Pausen: jeweils 15 Minuten):
The film will be screened in 3 parts (ontremisions of 15 minutes):

Teil I – Süden (84 Minuten): Von der Hafenstadt Ashdod zu den Grenzen des Gaza-Streifens.
Teil II – Das Zentrum (105 Minuten): Von der jüdisch-arabischen Stadt Lod/Lydda über Ramallah nach Jerusalem
Teil III– Der Norden (86 Minuten): Von Rosh Ha’ayn bis an die libanesische Grenze

(Mit Pause, jeweils 15 Minuten)

Zwei Regisseure, der Palästinenser Michel Khleifi und der Israeli Eyal Sivan, reisen im Sommer 2002 gemeinsam in ihre Heimat. Sie folgen einer imaginären Demarkationslinie, die nach dem Willen der UNO das Land Palästina in zwei Staaten teilen sollte. Am 29. November 1947 nahm die UN-Vollversammlung die Resolution 181 an, mit der sie die Beendigung der britischen Mandatsherrschaft über Palästina und die Gründung zweier unabhängiger Staaten beschloss. Die Idee zum Film Route 181 entstand im April 2002, während der Wiederbesetzung der palästinensischen Gebiete. Die Menschen, mit denen Michel Khleifi und Eyal Sivan auf ihrer Reise sprechen, begegnen ihnen zufällig. Es sind junge und alte Menschen, Israelis und Palästinenser, die in dem Film zu Wort kommen. Sie reden über ihr Leben, Erinnerungen an Flucht, Vertreibung und Krieg, über ihr Verständnis der gegenwärtigen Situation, ihre Ängste und Hoffnungen. Bei der Präsentation des Filmes im Rahmen des französischen Dokumentarfilmfestivals Le Festival du Cinéma du Réel Anfang März 2004 kam es zu einem Eklat. Eine Gruppe Intellektueller, zu denen unter anderem der Philosoph Bernard-Henry Lévy und der Schriftsteller Philippe Sollers gehörten, verhinderte eine von zwei geplanten Wiederaufführungen im Pariser Centre Pompidou. Ihre Argumentation: Der Film vermittle „umstrittene historische Wahrheiten“ und „vergifte die öffentliche Debatte über den israelisch-palästinensischen Konflikt“. Die Kritiker nahmen vor allem Anstoß an zwei Szenen, die sie an Zitate aus dem Film Shoah von Claude Lanzmann erinnern. In einer Szene schildert ein Friseur, wie er ein Massaker an Palästinensern 1948 erlebt hat. Der Film verbindet die Erzählung des Friseurs mit Aufnahmen von Eisenbahnschienen. Am 8. März 2004 protestierten rund 300 Intellektuelle, darunter Regisseur Jean-Luc Godard und Philosoph Étienne Balibar, in einem Aufruf in der Zeitung Libération gegen die Absetzung des Films.

Michel Khleifi in einem Interview für Le Monde: „Im arabischen Leben, wie auch in der Literatur, ist der Friseur immer präsent. Ehrlich gesagt, habe ich nicht den ganzen Film Shoah gesehen. Wenn Claude Lanzmann in eine Debatte über die Ethik des Kinos einwilligt, bin ich dafür offen. Eyal und ich waren uns nicht einig darüber, wie wir drehen sollten. Ich hätte lieber eine suggestivere, orientalische Szene gehabt. Wir haben den Friseur gefilmt, wie er Haare schneidet, ebenso wie wir alle Personen in ihrem Lebenszusammenhang gefilmt haben. Wir haben nie gelogen, noch sind wir unehrlich oder gemein mit irgendeiner unserer Personen umgegangen.“ Eyal Sivan: „Die Eisenbahn kehrt in unserm Film oft wieder. Eine Analogie ist kein Vergleich. Zu behaupten, dass das nicht vergleichbar ist, das ist bereits ein Vergleich. Wir Israelis müssen für ein Verbrechen aufkommen, das unsere Vorfahren anzuerkennen sich geweigert haben; wir haben heute Minister, die die »Umsiedlung« empfehlen; das ist nicht bloß ein Wort. Seit 1945 haben wir ein Bild dafür: die Eisenbahn.“ (Interview: Catherine Humblot, Le Monde, 11. März 2004)

In the summer of 2002, Palestinian filmmaker Michel Khleifi und Israeli filmmaker Eyal Sivan traveled together from the south to the north of their country of birth. They traced their trajectory on a map and called it Route 181. This virtual line follows the borders outlined in Resolution 181, which was adopted by the United Nations on November 29th, 1947 to partition Palestine into two states. As they travel along this route, they meet women and men, Israeli and Palestinian, young and old, civilians and soldiers, filming them in their everyday lives. Each of these characters has their own way of evoking the frontiers that separate them from their neighbors. Frontiers have been built on the hills and in the plains, on mountains and in valleys but above all inside the minds and souls of these two peoples. In March 2004, the organizers of France’s largest documentary film festival, Le Festival du Cinéma du Réel, held annually at the Centre Pompidou in Paris, have cancelled one of the screenings of Route 181. A group of intellectuals, among them philosopher Bernard-Henry Lévy and writer Philippe Sollers, criticized two scenes, which resemble situations in Claude Lanzmann’s Shoah: a barber who describes the massacre on Palestinians in 1948, and images of railroad tracks. It was said that those two scenes remind of the Holocaust and transports of Jews into concentration camps. On March 8, 2004, a group of 300 intellectuals, among them filmmaker Jean-Luc Godard and philosopher Étienne Balibar, protested in Libération for a rerun of Route 181.