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DER HERR KARL

Erich Neuberg, A 1961

Theatermonolog | 57 min | dt. OF

Theatre monologue | 57 min | German OV

Buch Carl Merz, Helmut Qualtinger Kamera Peter Jasicek Schnitt Erich Burkl Mit Helmut Qualtinger

 

Herr Karl, der in einem Feinkostlager arbeitet, erzählt als imaginärer Gesprächspartner seine Lebensgeschichte während des zweiten Weltkrieges und danach. Der „typische Wiener“ als ewiger Raunzer präsentiert sich egoistisch, kleinbürgerlich und opportun, wechselt seine politische Gesinnung je nach praktischem Nutzen vom Sozialisten zum Christlich-Sozialen und Nationalsozialisten, um nach dem Krieg das Hitlerbild vor den Augen der russischen Besatzer zu zertrampeln. Der klassische Wendehals zelebriert seine unverändert skrupellose, antisemitische, frauenfeindliche Haltung. Wie kein anderer offenbart Qualtinger das kollektive Unterbewusste der österreichischen Seele, bringt deren Wunden und Schuldgefühle auf den Punkt, die nach dem Krieg in der Bevölkerung schlummerten, während eine offene Auseinandersetzung für die meisten tabu war. Kein Wunder also, dass dieses Stück zu einem Riesenskandal wurde. Ein (leider) brandaktueller Klassiker der Realsatire, den wir besonders der jungen Generation wärmstens ans Herz legen!

 

This one-act play by Carl Merz and Helmut Qualtinger has a unique place in Austrian literary history. Helmut Qualtinger, portraying Herr Karl, immortalized the character in his presentation of an "average" Austrian, speaking in Viennese dialect, and demonstrating his opportunistic outlook on life, both during Nazism and in the postwar era. The monologue was certainly ahead of its time and drew attention to the Austrian complicity in the crimes of the Nazi regime, several decades before anyone in Austria was willing to even discuss the matter of Austria’s active involvement.

Einführung: Ao. Univ.-Prof. Dr. Walter Manoschek (Institut für Staatswissenschaft, Universität Wien)

Fr 15.10 18:30
Village Cinemas Wien Mitte